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Visa 457 aka Passierschein A38

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**Vorsicht – noch mehr Text als im letzten Beitrag**

Kennt ihr Asterix erobert Rom? Auch die Stelle mit dem Passierschein A38? Schaut´s euch an.

Eine verwaltungstechnische Formalität

Diese 10 Minuten können nicht passender darstellen was ich seit Juli durchgemacht habe. Visa Beantragung, Australische Krankenkasse, Deutsche Krankenkasse, Versicherungen, IELTS English Zertifikat, Internationaler Führerschein, Ummeldung- und Abmeldung, Arbeitsamt..

Doch fangen wir mal ganz vorne an, das Visum 457, welches vom Department of Immigration and Border Protection ausgestellt wird, berechtigt mich zu Folgendem:

  • Ich darf bis zu 4 Jahre mit diesem Visum in Australien arbeiten
  • Ich darf meine, nicht vorhandene, Familie mitnehmen
  • Ich darf während dieser Zeit beliebig oft das Land verlassen und auch – netterweise – wieder betreten

Was braucht man um so ein Visum zu bekommen beantragen:

  • Muss einen Job ausüben der gemäß einer laaaangen Liste (Wen´s interessiert laaange Liste) in Australien viele offene Stellen hat
  • Muss über entsprechende Fähigkeiten verfügen und diese auch unter Beweis stellen, die mich dazu befähigen, einen Job gemäß der laaaaangen Liste auch auszuüben.
  • Muss einen Sponsor finden, soll heißen, einen Arbeitgeber der mich gerne beschäftigen möchte und bereit ist sein Soll für dieses Visum zu leisten (Natürlich in Form von Aufwand und Geld)
  • Muss einen English Test absolvieren (IELTS Zertifikat) und jedes der insgesamt 4 Module mit einer Mindestpunktzahl von 5 bestehen.
  • Muss – auf Nachfrage – ein ärztliches Attest von einem, nach australischen Richtlinien ausgebildeten und lizensierten Arzt über mich ergehen lassen und zur Verfügung stellen
  • muss eine Krankenversicherung eines australischen Krankenversicherers abschließen welche die Mindestanforderung der, mit dem Visa 457 in Verbindung stehenden, Leistungen abdeckt. (Umso mehr, umso besser, umso teurer)
  • muss – auf Nachfrage – „character requirements“ (Ist das nicht ein herrlicher Name für ein Dokument) zur Verfügung stellen. Was hier in Deutschland, nichts anderes ist als ein Führungszeugnis.
  • 1034,00 $ (Die australischen Variante davon, bitte)
  • 1 – 4 Monate Zeit

Weitergehend gibt es natürlich noch ein paar kleine Zwickmühlen. Sofern der Arbeitgeber mit meiner Arbeitsleistung, sagen wir, nicht ganz d’accord geht, kann derjenige mich – wohl von den Cowboys auf dem Kontinent nebenan abgeguckt – binnen weniger Tage vor die Tür setzen und damit verliert auch automatisch das Visum seine Gültigkeit. Jetzt hat man noch genau 30 (Nein, seit 1. Juli diesen Jahres 90) Tage Zeit das Land zu verlassen, tut man das nicht, findet man sich schnurstracks als Gesetzesbrecher und Illegaler auf dem nächsten Bananendampfer Richtung (ehemaliger) Heimat.

Man sieht und liest also schon, als potentielle Arbeitskraft, die mit keinerlei Kosten oder Risiken für den australischen Staat verbunden ist, wird es einem absolut leicht gemacht, man wird mit offenen Armen willkommen und verwaltungstechnische Formalitäten fallen so wenig erschwerend wie möglich aus.

Nun gut, heute kann ich diese Aufzählung komplett aus dem Gedächtnis machen, muss auch gar nicht lange darüber grübeln, vor 4 Monaten, sah die Welt aber noch komplett anders aus und nicht nur die Welt sondern primär die Regelungen für das 457 Visum.

Nach geleisteter Unterschrift auf meinem Arbeitsvertrag, wurde seitens des Arbeitgebern relativ schleunig das Visa Verfahren für den Employer beim Department of Immigration eingeleitet. Das kostet, wie schon gesagt, erst mal Geld und Nerven. Glücklicherweise ist mein zukünftiger Arbeitgeber schon als registrierter Sponsor eingetragen, daher ging es ein klein wenig günstiger über die Bühne. Ziel des ganzen Prozedere ist eine TRN Nummer, welche man als Transaktionsnummer für den Visa Beantrager („Mich“) verstehen kann.

Kurz bevor die Dame aus dem Personalwesen schon fast meine E-Mail Adresse in ihre lokale SPAM Liste aufgenommen hat, kam dann – nach 1 1/2 Monaten – am 30. Juli die lang ersehnte Bewilligung einer TRN Nummer.

Jetzt war ich gefragt. Netterweise bietet die Behörde ein Online Formular an. Die erste Seite war schnell eingetippt, die nächsten drei Seiten wollten nur dass ich ellenlange Texte lese und mich mit der Einhaltung bereit erkläre, die vierte Seite wollte dann endlich mal ein paar Stammdaten von mir haben.

Das ich bei Seite 4, wohl erst 5% des gesamten Formularprozesses hinter mich gebrachte hatte, irritierte mich zwar, hielt mich aber nicht davon ab zu versuchen für die dargestellten Felder entsprechend richtige Werte aus dem Bestätigungs PDF (Besser bekannt als IMMI – Approval of Notification Approval) meines Arbeitgeber zu finden. Aussichtslos!

Trotz unzähliger Memory Runden und der damit verbundenen Fähigkeit zwei gleiche Teile zueinander zu führen, ging´s hier nicht weiter.

Ich versuche das mal beispielhaft darzustellen.

Felder die, unter anderem, auf dem Formular auftauchen:

– Sponsorship Application Transaction Reference Number (TRN)
– Business Sponsorship Agreement Number
– Nomination Application Transaction Reference Number (TRN)
– Nomination Approval Number

Felder welche in der Bestätigungs PDF vorkommen:

– Sponsorship Application ID
– Nomination TRN
– Nomination Application ID
– Application ID
– File Number

Es brach große Ratlosigkeit aus. Den Hinweis der Personaldame im Kopf: „Egal was Sie tun, lassen Sie sich Zeit und geben auf JEDEN FALL korrekte Daten ein, sobald nur ein Wert falsch ist, geht der Struggle richtig los und das gesamte Verfahren zieht sich wie Kaugummi in die Länge“, lies mich vorsichtig sein.

Mehrere E-Mails später, ganz genau 2 Wochen später, und ganz viele Versuche doch einfach alle möglichen Zahlen und Buchstaben in irgendein Feld einzutragen (Netterweise lässt das Formular mich so lange nicht weiter, bis ich eine gültige Nummer eingegeben habe), kam dann doch noch der richtige Wert für die alles entscheidende „Sponsorship Application Transaction Reference Number (TRN)„. Man hatte leider nicht so richtig gewusst, dass es sich dabei um eine Nummer handelt, die bei der Registrierung der Firma als Nummer genannt wurde. :-/

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Das war das erste mal, das ich überlegt habe, auf einen Immigration Agent (Der gegen Bares all diese Sachen übernimmt) zu verzichten, nicht die beste Idee des Jahres war. Kann ja nicht so schwer sein! Kleines Formular, kein Problem!

Am Folgeabend habe ich dann die Kleinigkeit eines Formulars binnen 2 (In Worten ZWEI) Stunden durchgehabt, es gab nichts was man nicht wissen wollte, die NSA hat Ihren Datensatz von „Daniel Drinhausen“ direkt mit dem vom Department of Immigration überschrieben, jetzt hatte man mich in der Hand! 🙂

Auf der letzten Seite kam dann die Zusammenfassung und noch mal ein paar Haken, vor diesen langen Texten, die bestätigten dass ich das geschriebene zum einen gelesen und zum anderen auch noch verstanden habe. AGM mässig schnell überflogen und überall „Ja – gelesen und verstanden“ geklickt, bis ich die Wörter „Krankenversicherung“ & „Bestätigung“ & „Formular“ & „Abgelehnt“ (Natürlich die englischen Varianten) gelesen und verstanden habe. Man wollte das ich die Krankenversicherung nicht erst später abschloss, sondern sofort und die Bestätigung auf einem weiteren – kryptischen – Formular dem Visa Antrag beilege (respektive das Teil als PDF hochlade) sonst blühte einem die Ablehnung des Visa Antrags.

Gesagt getan, lieber erst mal den „Speichern“ und später mal den „Abschicken“ Knopf gedrückt und mich nach einer adäquaten Krankenversicherung Down Under umgeguckt. Für mich, kerngesund, jung und voller Lebensfreude wird schon der Krankenkassen „Basis Tarif“ ausreichen, hauptsache günstig, kostet ja sowieso schon alles mehr als genug. Die nette Krankenkasse hat dann als Zeichen ihrer Vorfreude direkt mal den ersten Monatsbetrag abgebucht (Hey, das sollte doch erst im Januar losgehen!) und mir das entsprechende Formular zukommen lassen.

Zwischenzeitlich hatte mich eine Bekannte, die auch drauf und dran war das 457 Visa zu beantragen (Glücklicherweise mit tatkräftiger Unterstützung eines, vom Arbeitgeber, finanzierten Immigration Agents), darüber informiert dass seit dem 1. Juli neue Richtlinien für das gemeinsam gewollte 457 Visa existieren. Mein letzter Kenntnisstand war irgendwie aus Juni und ich habe nicht damit gerechnet das sich diese Regelungen so oft verändern, dumm gelaufen. Dinge die sich geändert haben:

– English Test for everyone (Yeah!) 
Im Vorfeld nur für ganz wenig spezielle Berufsgruppen notwendig, so muss diesen Test jetzt jeder Anwerber machen.

– Ablehnung des Visa sofern nicht bewiesen werden kann das man zum Ausüben des Berufs in der Lage ist
Früher waren die entsprechenden Beamten noch angewiesen vor dem drücken auf „Declined“ noch mal kurz nachzuhaken, jetzt kann der Knopf sofort gedrückt werden.

– Anstatt 395 $ kostet der Spass jetzt 1034 $
Anscheinend zu wenig Beamten und zu viele Bewerber. Soll den tatsächlichen Bearbeitungskosten entsprechen. *hust*

– Aufenthalt nach Wegfall des Jobs von 1 – 3 Monate erhöht
Aha, mal was positives.

Nun denn, schnell den English Test machen und fertig ist die Sache. Blöderweise wird der English Test nur von einem speziellen Institut durchgeführt (IELTS) und das auch nur einmal im Monat. Von den 2 Wochen Bearbeitungszeit die für die Auswertung des Tests benötigt werden, mal ganz zu Schweigen.

Mittlerweile war es schon Mitte August, das Visa immer noch nicht eingereicht (ge – lodged) und der nächste English Test sollte am 7. September stattfinden. Na prima, mitten in meinem Malle Urlaub. Man ist mittlerweile schon leid gewohnt, schnell einen früheren Rückflug gebucht (Umbuchung kostet natürlich mehr als einen komplett neuen Flug zu buchen!) und bei diesem IELTS Verein mich angemeldet. Da war man ähnlich kulant und anspruchslos wie bei dem Department of Immigration, ich hatte, nach Anmeldung, genau 3 Arbeitstage Zeit, Geld zu überweisen und diverse Kopien vom Reisepass und Personalausweis an das Hauptverwaltungsbüro in Berlin zu schicken. Da gingen die nächsten 210,00 Euro flöten.

Die nächsten Wochen und den halben Urlaub habe ich dann damit verbracht English zu üben, den Test am 7. September in Köln dann absolviert und im Anschluss die zwei schlimmsten und mit riesigen Zweifeln behangenen Wochen durchlebt. Wie weiter oben beschrieben muss man, um den English Test auch für das Visum verwenden zu können, mindestens 5 Punkte in jedem Modul erreichen. Ausgleichen ist nicht. Insbesondere der „Speaking“ Teil, obgleich auch im englischen recht Redegewand, hat mir große Sorgen bereitet. Im Gespräch mit einem native Speaker konnte ich auf die wenigsten Fragen eine vernünftig und ohnehin keine eloquente Antwort liefern. Mein sprachliches Niveau war gefühlt auf dem eines Dackels der sächseln sollte. Dazu kam dass ich schon längerer Zeit keiner Prüfungssituation mehr ausgesetzt war und es hier schließlich um, nichts weniger, als meinen Traum von Australien ging.

Nach zwei Wochen kam dann aber die erlösende Nachricht, Bestanden! Nach zehnfachem durchlesen war ich dann auch soweit dass ich glauben konnte was ich lies. 7.0 von 9.0 Punkten erreicht und sogar im Speaking Teil hat es für eine 6.5 gereicht, die Dame muss mit mir Mitleid gehabt haben (Vielleicht war auch meine sofortige Erklärung das ich vorhabe nach Australien zu gehen und dafür unbedingt diesen English Test hier bestehen muss Stein des Anstosses).

Am darauffolgenden Montag, es war mittlerweile der 24. September, konnte ich dann das Visum endlich einreichen. Als Dateianhänge kam dann noch folgendes mit:

  • Kopie vom Reisepass
  • Kopie vom Personalausweis
  • Resume / Lebenslauf
  • Arbeitsvertrag
  • Referenz 1.
  • Referenz 2.
  • Passfoto (Biometrisch, what else)
  • Bestätigung Krankenversicherung
  • Ein Zertifikat das mich als besonders fähig ausweisen soll ( 😉 )
  • IELTS Test Ergebnis

Seit dem harre ich der Dinge die da kommen. Jeder Amtsgang, jedes Formular was ich unterschreibe, jeder Telefonanruf und jede E-Mail die ich verschicke lässt mich ins Grübeln darüber verfallen ob das jetzt dafür gesorgt hat, dass ich das Visum nicht bekomme. Sei es eine blöde Adressänderung im Personalausweis oder die Abmeldung aus deutschen Landen. Es ist alles leider sehr pauschal gehalten, man weiß nie woran man dran ist.

Ein täglicher Blick auf den Online Status gehört zu meinem Alltag, auch die damit verbundene Enttäuschung dass sich nichts getan hat gehört dazu.

Wie gesagt, die Bearbeitungszeit kann im schlimmsten Falle 3 Monate dauern. Sobald der Status auf „processed further“ wechselt, weiß man, dass ein Mensch sich jetzt wenigstens den Sachverhalt anschaut, soweit ist es bei mir allerdings noch nicht.

Am 10.11 geht mein Flug nach Bali, die Chance ist groß, dass ich selbst zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß ob ich das Visum genehmigt bekomme und damit auch noch nicht weiß ob ich im Januar bei meinem Arbeitgeber anfangen kann. Die größten Bauchschmerzen bereitet mir aber die Tatsache das ein Betreten des Landes vor Genehmigung des Visa zu diversen Komplikationen führen kann. (Ein Touristenvisum kann versehentlich das 457 Visum überschreiben, das Visum wird nur dann gültig wenn man noch mal aus Australien aus- und wieder einreist, …) Um den 3 Dezember rum wollte ich aber eigentlich meine australische Ostküsten Tour starten. It´s a mass!

Es heißt „keep your finger crossed“ und nur nicht die Geduld und den Mut verlieren.

In diesem Sinne
Daniel

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