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Sehnsucht nach der Zukunft – Heimweh nach der Fremde

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Magnetic Island & Whitsundays

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Endlich!

Endlich mal wieder etwas Zeit für mich alleine, ein – überteuertes – Motel mit Pool, privatem Parkplatz für den Falcon und einer kleinen Wohnung (Mit eigener, sauberer, Dusche!!!) mit kostenlosem Internet was man sich ausnahmsweise nicht gleichzeitig mit 80 anderen skype wütigen Backpackern teilen muss. Ein Traum, it was about time!

Die letzten 2 Wochen haben mir den Rest gegeben. Mein Leben bestand nur aus: Auto fahren, Touren, Touren, Touren, Fastfood, neue Leute, feiern, kurz schlafen, Touren, Touren, Auto fahren. Nein, nicht falsch verstehen, das soll definitiv kein Klagen auf hohem Niveau sein, sondern nur die Feststellung das man nach solch intensiven 2 Wochen mal einen Tag Auszeit braucht und den nehme ich mir gerade. Die Zeit nutze ich natürlich nicht um am Pool zu entspannen (Nicht nur..) sondern um euch mal wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. 🙂

Stehen geblieben waren wir beim Kauf des Ford Falcon Wagen (Später liebevoll Millenium Falcon getauft) und den geplanten Reparaturen.

Bin also am Samstag morgen direkt zu meinem Freund John gefahren und habe Ihnen gebeten sich mit höchster Priorität der Klimaanlage und dem Radio zu widmen, ich wollte schließlich noch weiter nach Townsville, welches gute 5 Stunden Autofahrt von Cairns entfernt liegt. Man versprach mir die Schäden bis spätestens Mittag behoben zu haben. In der Zwischenzeit sollte ich mit Johns Audi Q7 einfach ein wenig durch die Gegend cruisen und machen was ich wollte. Nach einer großflächigen Einkaufstour und der persönlichen Abholung meiner Weggefährtin Sophie aus London (Auf dem Tauchboot kennengelernt und festgestellt das man die gleiche Richtung fährt) ging es dann gegen Mittag wieder zurück zu John. Das Auto war natürlich noch nicht fertig, ein Blick in die Werkstatt zeigte einen halb auseinandergesetzten Millenium Falcon mit einer Öllache, in der Größe des Gardasees, darunter. Kein gutes Zeichen. Naja, man hätte hier und da noch ein paar weitere Probleme gefunden und muss aktuell zusehen das man an Ersatzteile kommt (Die natürlich aus anderen alten Gebrauchten zuerst ausgebaut und dann neu montiert werden müssen). Es vergingen also noch mehrere weitere Stunden, wiedermal mit perfektem All Inclusive Essen & Trink Service. Um 17 Uhr (SIEBZEHN) war der Falcon dann repariert. Die Klimaanlage verwandelte den Innenraum in eine winterliche Antarktis und aus dem Radio, besser gesagt dem eingebauten Subwoofer und den extra Boxen (Hach, Anno Dazumal) erklangen die schönsten australischen Folklore Klänge. Einer Dauerschleife von „Hotel California“ stand nichts mehr im Weg, es konnte also endlich losgehen! Roadtrip here we come!

Die Fahrt verlief ohne nennenswerte Zwischenfälle, Abends sind wir dann hundemüde in einem Hostel in Townsville eingecheckt und haben kurzfristig den Entschluss gefasst, die nahegelegende Insel „Magnetic Island“ inklusive einer Übernachtung am nächsten Tag zu besuchen.

Magnetic Island

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Mal  ein kleiner geschichtlicher Exkurs, meine verehrten und hochgeschätzten Leser sollen ja auch was anderes als nur den australischen Lifestyle eines Pseudo Auswanderers lesen.

Die Insel wurde vom, zumindest hier, bekannten Captain Cook (Der irgendwie gar kein Captain war) 1770 gefunden (Wohl eher katalogisiert) und aufgrund von Störungen seines Kompasses, der Insel eben jenen Namen verliehen. Der gute Mann war auch derjenige der erstmals in Sydney angelandet ist (Ein paar Tage früher) und zumindest die australische Ostküste im Namen der britischen Krone in Besitz genommen hat. Offiziell waren wohl ein paar Holländer schon früher an der Westküste und ein portugiesischer Kapitän kam 2 Tage nach Cpt. Cook in der Bucht von Sydney an. Shit happens, oder zumindest das portugiesische Äquivalent dazu, wird der sich sicherlich gedacht haben. Wie sähe Australien wohl aus wenn es die letzten hunderte Jahre unter portugiesischer Flagge groß geworden wäre?

Ansonsten gibt es gar nicht mehr soviel zu der Insel zu sagen, 52 km2 klein, circa. 2000 Einwohner und sehr hügelig. Großteil der Insel ist nicht wirklich erschlossen und nur schwer zu erreichen. 

Nach der Überfahrt haben wir kurz eingecheckt und direkt zum nächsten Scooter Verleih geflitzt, der Roller war ein Schnäppchen, 55 $ für einen Tag, ich möchte noch mal an den Rollerpreis auf Bali erinnern… 4 $. Grundsätzlich kann man auch Fahrräder oder kleine Mokes (Sehen aus wie Autoscooter) mieten, mir gefiel die Rollervariante aber am besten. Zwischenzeitlich sind wir dann unterschiedliche, der vielen hier angebotenen, Pfade gewandert und hatten einen bombastischen Ausblick auf die Küste und die erste Sichtung eines Koalas in freier Wildbahn! 🙂

Am nächsten Tag ging es wieder zurück auf´s Festland und direkt weiter nach Airlie Beach, ein sehr touristischer Ort, der super schön an der Küste gelegen ist und für die meisten Touristen der Ausgangspunkt für Ausflüge zu den Whitsundays darstellt. Wir wollten eigentlich auch direkt am nächsten Tag (Dienstag) auf die Whitsunday´s, mit dem Segelboot und einer Übernachtung auf dem Schiff (Halt genau so wie Cpt. Cook!), allerdings haben wir die Rechnung ohne die ganzen anderen Backpacker gemacht, ohne langfristige Buchung im Vorfeld wäre der nächstmögliche Termin am Freitag gewesen, da wollten wir schon längst über alle Berge und Steppen sein, also resigniert für eine Tagestour am Mittwoch entschieden.

Whitsundays

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Ich weiß ja nicht wie das bei euch so ausschaut, aber die Whitsundays waren mir tatsächlich schon länger ein Begriff… neben Melbourne, Sydney, dem Great Barrier Reef, Koalas und Kängurus.

Den Namen verdankt diese, aus 74 Inseln bestehende, Inselgruppe wiedermal besagtem Cpt. Cook der an einem Pfingstsonntag (Anm. d. Red.: Whitsunday) zufälligerweise mit seinem Schiff, der Endeavour, da vorbeischipperte und ein Paradies auf Erden entdeckte.

Die Tagestour führte uns vorbei an kleinen und großen Inseln, zu tollen Unterwasserriffen zum schnorcheln und schließlich zum bekanntesten Strand der Hauptinsel, dem Whitehaven Beach. Der Sand hat einen Quarzanteil von 99%, quietscht beim darübergehen und gilt als einer der weißesten Strände der Welt. Bilder sagen hier definitiv mehr als tausend Worte.

Die vielen kleinen Punkte sind übrigens abertausende kleine Krebse (siehe Bild in Nahaufnahme) die munter vor allem was ihnen zu nahe kommen versuchen zu flüchten, wenn´s zu eng wird, graben die Jungs sich binnen Sekunden in den Sand ein. Selten so tolle Panoramen wie auf den Whitsundays gehabt.

Wieder auf festem Boden war das nächste Ziel dann Rockhampton, trotz das wir schon 17 Uhr hatten und 5 1/2 Stunden Fahrt vor der Brust war ich bester Laune. Das sollte sich ändern…

Nach den ersten 20 Minuten musste ich nach verzweifeltem Knöpfedrücken und Selbstzweifeln an meiner Fähigkeit warmer von kalter Luft zu unterscheiden feststellen das die Klimaanlage genau so kalte warme Luft erzeugt wie die Lüftung. Schade, da hat die Reparatur nicht allzu lange angehalten, die Händlergarantie brachte mir leider nicht viel, war der Händler doch in Cairns, 11 Autostunden weit entfernt.

Weitere zwei Stunden später, an nichts böses denkend und gemütlich vor mich hinfahrend, blitzt es vor mir auf  und ich sehe im Rückspiegel typisch amerikanische Blaulichter (Ja was weiß ich denn wie die in Australien aussehen?) die mir relativ schnell folgen. Pfiffig wie ich bin habe ich mal daraus abgeleitet dass der Sheriff irgendwas von mir will und bin links rangefahren. Der gute Mann, der sich als Deputy Schießmichtot vorstellt eröffnete mir dann das ich knappe 112 km/h unterwegs war, obwohl nur 100 km/h erlaubt. Ohh, Ohh! Trotz aller Warnungen im Vorfeld, man soll auf keinen Fall zu schnell fahren, die Polizei ist besonders spezialisiert darauf die Touristen abzuzocken und die Geldstrafen haben oft die Höhe eines Einfamilienhauses in Tazmanien, habe ich unbewusst zu sehr auf mein Gaspedal getreten. Was macht man denn jetzt am besten? Meine Beifahrerin hat ihr bezauberndstes Lächeln aufgesetzt und ich war so höflich wie es nur ging. Angriff ist ja die beste Verteidigung und auf die Frage was ich denn hier so mache und ob ich Backpacker bin, habe ich ihm erst mal alles vom Visum, vom Arbeiten und vom Reisen erzählt. Irgendwie hat es gezogen, trotz der zu erwarteten 200 $ bin ich mit einer mündlichen Verwarnung davon gekommen. Jedoch nicht ohne vorher noch den obligatorischen Alkoholtest zu machen, gut das es auf den Whitsundays kein Bier gab.

Was für ein schrecklicher Autofahrtag, ich war hundemüde, die Klimaanlage ist kaputt, die Polizei hält einen an und noch 200 km zu fahren. „Jetzt wird wohl die restliche Zeit nichts mehr passieren“ dachte ich und in dem Moment löste sich mein rechter Hinterreifen mit einem lauten Knall in seine Einzelteile auf. Mitten im Nowhere, in tiefster Nacht.

Reifenplatt

Die nächsten 50 Meter noch geschickt auf der Felge weitergerollt und dann standen wir da. Ein Ersatzreifen war auf jeden Fall in der üppigen Ausstattung des Falcons enthalten, so viel wusste ich noch und Reifen wechseln kann ich auch, trotz meiner sehr eingeschränkten handwerklichen Fähigkeiten. Also ran an den Speck. Einzig blöde war, das es zwar den Ersatzreifen aber kein Werkzeug zum Reifen wechseln gab. Beim Blick in den unteren Teil des Kofferraums entdeckte ich nur den, ja ohnehin nicht verwendbaren, Gastank aber keinen dringend notwendigen Schraubenschlüssel oder Wagenheber. Super!

Ab diesem Zeitpunkt war meine Laune noch weiter unten als man Down Under sein kann. Wie immer, Glück im Unglück, nach 10 Minuten winken und  leuchten mit der Taschenlampe hielt ein Wagen. Im Inneren, zwei Mechaniker. Haha! 😀 Die Jungs haben den Reifen binnen 10 Minuten gewechselt, haben sich – wahrscheinlich vernünftigerweise – von mir nicht assistieren lassen, meine Aufgabe bestand nur im beleuchten der Arbeitsfläche. So ganz festziehen konnte man leider die Schrauben nicht, der Schraubenschlüssel war zu groß, das Problem konnten dann an der nächsten Baustelle zwei Trucker beheben. Luft in den Ersatzreifen rein und weiter ging die Fahrt nach Rockhampton, erstaunlicherweise sprang mir auch kein Känguru mehr vor den Grill, ich habe fest damit gerechnet. Ich habe in dieser Nacht sehr sehr gut geschlafen.

Posted from Sunshine Coast, Queensland, Australia.

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